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Eine fast wahre Geschichte (geschr.: 12.06.2006)

Tränen flossen über sein Gesicht. Er zitterte am ganzen Körper. War es gerade wirklich geschehen? Er konnte es nicht glauben. „Patrick? Bist du noch da?“, tönte es aus dem Hörer. Er konnte nicht antworten. Der Klos in seinem Hals war einfach noch zu groß. „Also ich finde das toll. Jetzt habe ich endlich jemanden, der mich stilsicher bei all meinen Shoppingtouren begleitet“. Patrick konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Langsam wurde er wieder ruhiger und eine wohlige Wärme breitete sich in ihm aus. Es war ein sehr intensives Gefühl und die Erleichterung spürte er jetzt bis in den kleinen Zeh.
Das war es also: das Gefühl, wenn einem ein riesiger Stein vom Herzen fällt. Bei ihm war es wohl eher ein Felsbrocken gewesen. Aber das spielte jetzt keine Rolle, denn es war ein tolles Gefühl. Sein Herz war frei und Patrick atmete tief durch. Er war also schwul – jetzt auch offiziell.
„Wissen es eigentlich schon deine Eltern?“ Rike war eine tolle Freundin, nur manchmal war sie leider etwas schwer von Begriff. „Was? Dass ihr einziger Sohn und Stammhalter ihnen leider keine Enkel schenken kann?!“, antwortete Patrick mit brüchiger Stimme, nachdem er sich die letzte Träne von der Wange gestrichen hatte. „Nein, du bist die Erste.“
Es war schon ein Uhr morgens und Patrick erzählte seiner Freundin nun alles, was ihn jetzt bewegte. Angefangen von der Verwirrtheit ganz am Anfang, über die Ängste und Sorgen, nicht normal zu sein, bis hin zur Akzeptanz seiner vermeintlichen Andersartigkeit, versuchte er nichts auszulassen. „Natürlich habe ich Angst vor dem, was jetzt kommt. Aber ich bin ja nicht der erste Schwule“, beschloss er seine Ausführungen eine knappe Stunde später. Patrick versuchte bei diesem letzten Satz selbstsicher und überzeugend zu klingen. Nicht um Rike etwas zu beweisen, sondern vielmehr um sich selbst seine Angst vor dem Morgen zu nehmen.

Nachdem er Rike gefühlte hundert Mal beteuert hatte, dass es ihm gut ginge, legte Patrick nach einem „Träum was Schönes, mein Süßer!“ schmunzelnd den Hörer auf.
Er lag auf dem Bett und starrte an die Decke. Das war also sein erstes Coming-Out gewesen. Wieder füllten sich seine Augen mit Tränen. Aber dieses Mal waren es Tränen der Freude. Patrick war froh, dass Rike die erste Person war, die es von ihm erfahren hatte. Gewiss würde sie nicht die Letzte bleiben. Und gewiss würden nicht alle so positiv reagieren, aber er war sich sicher, dass sie stets hinter ihm stehen würde. Mit diesem Gedanken schlief Patrick wenige Minuten später ruhig und besonnen ein.

Am nächsten Morgen wachte Patrick sehr früh auf. Viel zu früh für einen Tag in den Sommerferien. Er schaute auf den Wecker und wollte sich noch einmal umdrehen, als es ihm dämmerte. War alles nur ein Traum gewesen? Nein, das riesige Grinsen, das sich jetzt unwillkürlich auf seinem Gesicht ausbreitete und die Zufriedenheit, die noch immer in seinem Bauch lag, bestätigten ihm, dass er nicht bloß geträumt hatte.
Der plötzlich Hellwache sprang aus seinem Bett, durchquerte sein kleines überschaubares Zimmer und riss eines der großen Fenster auf, das sofort die gleißende Sommersonne hineinließ. Eine leichte Brise umwehte Patricks kurzgelocktes hellbraunes Haar und seine blauen Augen leuchteten beim Anblick des jungen Tages. Es war noch sehr frisch draußen und so zog sich Patrick rasch eine kurze blaue Hose und ein weißes T-Shirt an und schnappte sich seine Laufschuhe, um eine Runde im nahegelegenen kleinen Wäldchen zu joggen. Er hatte schon oft versucht, das Laufen fest in seinen Alltag zu integrieren –meistens an Neujahr oder zu Beginn eines neuen Schuljahres- ,aber fehlende Motivation, der große bellende innere Schweinehund oder einfach stupide Faulheit hatten dies immer zu verhindern gewusst. Aber diesmal ist es anders, dachte sich Patrick, als er das Haus verließ. Schließlich sollte nun ein neuer bedeutender Abschnitt in seinem erst siebzehnjährigen Leben beginnen.

27.9.07 18:18
 


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