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Im Tal

Wie Don Quichotte kämpfen wir gegen Mühlen. Mühlen, die die Landschaften unserer Seelen zu Gebieten hoher Gipfel und tiefer Täler machen. Sie kleben an den Spitzen der Berge und der Wind scheint senkrecht aus dem Himmel zu wehen. In lautpfeifenden Böen ergießt er sich über unseren Köpfen und hindert uns am Aufstieg. Wir stoßen einen Fluch in den Himmel und die göttlichen Winde rufen ihre Brüder Regen und Hagel herbei. Gegen die übernatürliche Vereinigung liebender Geschwister kommen wir nicht an. Denn wir sind alleine. Unsere eigenen Brüder und Schwestern erklimmen andere Berge anderer Landschaften und der gelb gefiederte Geier schreit uns zu, das sie es schaffen. Dass sie auf einem Felsvorsprung rasten oder gerade den letzten Steilhang überwinden. Einige stehen sogar schon am Eingang zur Mühle, die nicht eine einzige Umdrehung gemacht zu haben scheint. Und der Geier lacht. Er setzt sich auf unser Haupt und verspottet uns mit dem menschlichen Gelächter der Überlegenheit und des Stolzes.
Doch wir ertragen es nicht. Wir wehren uns gegen den todbringenden Aasfresser und schütteln ihn ab. Und er erhebt sich erschrocken und fliegt davon, die Kunde unseres Aufstieges zu verbreiten.
Wir starren hoch und unser Geist sagt nein, denn wir haben noch nie einen Berg erklommen. Unsere Augen erkennen die vom Nebel umhüllte Mühle kaum und sehnen sich nach dem Boden. Doch unsere Hände sind blind. Sie ergreifen den ersten Stein und verbünden sich in mannhafter Eintracht mit den Sehnen und Muskeln, die das Blut der Freiheit in unseren verkümmerten Körper pumpen. Und so erklimmen wir Meter um Meter gegen die erneut aufwachende Kraft der Brüder, die die Mühle zum Toben bringen. Wir schaffen es, Schutz unter einem Vorsprung des Berges zu finden und wir sehen nichts von dem Blut, das unsere Finger umfließt und wir ahnen nichts von den aufgeschürften Handflächen, die den Malen Christus gleichen wollen, denn unsere Augen haben uns ihren Dienst versagt. Und unser Geist schämt sich der Vergewaltigung heroischer Männer und Frauen.
So sitzen wir wenige Meter über dem Boden im Berg. Wir hören die Mühle schreien und die Brüder um die Gunst des Vaters kämpfen. Jeder will der Stärkste sein.

Doch in einiger Entfernung singt der Geier ein Lied. Und kalte Geborgenheit umgibt unser Herz.


28.9.07 17:11
 


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